Museum Wiesbaden übernimmt das bedeutende Alexej von Jawlensky-Archiv

Das Museum Wiesbaden erhält einen bedeutenden Zuwachs für seine kunsthistorische Forschung: Das umfassende Alexej von Jawlensky-Archiv wurde dem Museum offiziell geschenkt. Übergeben wurde es von Angelica Jawlensky Bianconi, Enkelin des russisch-deutschen Expressionisten, die das Archiv über vier Jahrzehnte in Locarno/Muralto (Schweiz) betreut hatte.

Der international renommierte Maler Alexej von Jawlensky (1864–1941) zählt zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus und war eng mit der europäischen Moderne verbunden. Er lebte und arbeitete rund 20 Jahre in Wiesbaden, wo er 1941 verstarb. Sein Sohn Andreas Jawlensky begann ab 1955 – nach zehnjähriger Kriegsgefangenschaft in Russland – mit dem systematischen Aufbau des Archivs in Wiesbaden.

Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Ungarn im Jahr 1956 entschloss sich die Familie Jawlensky aus Sorge vor erneuter politischer Verfolgung zur Übersiedlung in die neutrale Schweiz. Dort wurde das Archiv weitergeführt und nach dem Tod von Andreas Jawlensky im Jahr 1984 von seiner Frau Maria sowie den Töchtern Lucia und Angelica betreut. Seit 1998 leitete die Kunsthistorikerin Angelica Jawlensky Bianconi das Archiv allein und etablierte Anfang der 2000er-Jahre einen wissenschaftlichen Beirat.

Bereits zur Ausstellung „Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden“ im Jahr 2021 kündigte sie an, das Archiv dem Museum Wiesbaden zu übergeben. Als symbolträchtiges Zeichen überreichte sie damals die Einbürgerungsurkunde Alexej von Jawlenskys, der 1934 aus Angst vor dem NS-Regime die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte. Im Oktober 2025 wurde diese Ankündigung schließlich umgesetzt: Das Archiv mit rund 110 Umzugskartons zog in das Museum Wiesbaden ein.

Dort wird es künftig als „Forschungsarchiv Alexej von Jawlensky“ unter der Leitung von Dr. Roman Zieglgänsberger wissenschaftlich betreut und weiterentwickelt.

Das Archiv umfasst umfangreiche Korrespondenzen mit bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern wie Wassily Kandinsky oder Ida Kerkovius, autobiografische Schriften („Lebenserinnerungen“) sowie für die Provenienzforschung essenzielle historische Gemäldelisten, Werkverzeichnisse und Adressbücher. Ergänzt wird der Bestand durch eine große kunsthistorische Bibliothek, originale Fotografien, Urkunden, Möbelstücke und persönliche Memorabilia des Künstlers. Dazu zählen unter anderem Reisepässe, die in Jawlenskys Gemälden häufig dargestellten Vasen sowie seine charakteristischen, farbenfrohen Seidenfliegen.

Mit der Übernahme des Archivs stärkt das Museum Wiesbaden seine Rolle als zentrale Forschungsstätte für das Werk Alexej von Jawlenskys und den europäischen Expressionismus.

Bildrechte: © Forschungsarchiv Jawlensky Fotograf: Museum Wiesbaden